Michelle Forbes – kein bisschen forsch!
 Streitbare Charaktere – darauf scheint die sympathische Darstellerin abonniert zu sein. Den STAR TREK Fans dürfte Ro Laren als eher rebellische, äußerst starke, Bajoranerin noch deutlich in Erinnerung sein und die Battlestar Galactica-Gucker unter uns, werden sie wohl eher als Admiral Helen Caine wiedererkennen.
Gerne werden Darsteller ja gefragt, wie viel der eigenen Charaktereigenschaften sich in der Rolle wiederfinden. Eines ist sicher – wenn man Michelle Forbes in ihrem ersten Panel und bei ihrem ersten Besuch auf einer deutschen Convention erlebt hat, dass sie völlig anders ist, als ihre Alter Egos. Ein bisschen schüchtern und mit einem liebenswerten Lächeln auf den Lippen betrat sie die Bühne und verzauberte sofort ihr Publikum.
Vielfältigkeit – das ist eine Kunst die Michelle wirklich beherrscht und ihr Wunsch möglichst viele verschiedene Charaktere verkörpern zu dürfen, den sie zu Beginn ihrer Karriere äußerte und der auch Anlass dafür war, kein fester Bestandteil von STAR TREK zu werden, ist ganz offensichtlich in Erfüllung gegangen. Die Fragen der Fans richteten sich nämlich nicht nur auf ihr Wirken in STAR TREK, sondern beschäftigten sich hauptsächlich mit ihren zahlreichen anderen Rollen und Serienauftritten.
Messiah – eine britische Miniserie auf 4 Episoden ausgelegt, sah für Michelle eine Rolle als Taubstumme vor. Dies war in mehrerlei Hinsicht eine enorme Herausforderung für die Darstellerin, denn sie musste in 6 Tagen die Zeichensprache erlernen – was wirklich fast unmöglich ist und gleichzeitig durfte sie beim Spielen niemals auf das gesprochene Wort oder den Tonfall einer Stimme reagieren. "Das ist das schöne am Schauspielerberuf – man hat die Chance unglaublich viel zu lernen," lächelte Michelle.
Intensive Vorbereitungen – das verlangte auch ihre Rolle als Admiral Caine in Battlestar Galactica von ihr. Um ihr militärisches Auftreten und ihre Sprache authentisch wirken zu lassen, musste sie mit einem Militärberater lernen sich wie ein Soldat mit Befehlsgewalt zu verhalten und auch so zu denken. Einige ihrer Kollegen mussten sogar ins Bootcamp. Dementsprechend glaubwürdig kommt Michelle nicht nur in ihrer Rolle als streitbarer Admiral rüber. Gerade Caine scheint auf den ersten Blick ganz schnell den Stempel schlechter Mensch abzubekommen. Doch tatsächlich, so sieht es Michelle, ist sie eine komplexer Charakter, mit einem traumatischen Erlebnis im Hintergrund und dem Krieg vor Augen. "Ich als Michelle, bin nicht immer mit ihren Entscheidungen einverstanden, aber ich bin auch froh, dass ich nicht die Verantwortung für unzählige Leben trage und diese Entscheidungen zu treffen habe," erklärte Michelle den Fans. Caine halte uns einen Spiegel vors Gesicht und gleichzeitige würden ihre Handlungen aus der Entscheidung heraus bestimmt, nie mehr das Trauma ihrer Jugend wieder erleben zu müssen.
Auch die Bajoranerin Ro Laren war ein ganz besondere Charakter. Michelle fand sogar Parallelen zwischen Admiral Caine und der Bajoranerin. Beide Frauen seien geprägt durch ihre Vergangenheit, die voller Krieg und Gewalt stecke. Beide Frauen musste eine Entscheidung fällen, entweder Opfer zu bleiben oder aber selbstbestimmte Menschen zu werden. Mit allen Konsequenzen.
Noch etwas scheinen die beiden Serien STAR TREK The Next Generation und Battlestar Galactica gemeinsam zu haben – nämlich die schlecht sitzenden und völlig unbequemen Uniformen, was Michelle mehr als einmal wünschen lies, sie wäre der Uniformdesigner der jeweiligen Flotte. Battlestar Galactica Uniformen könnten ruhig mehr Farbe und dafür weniger Knöpfe und vor allem ein anderes Material vertragen. STAR TREK TNG Uniformen dagegen glänzen durch die Abwesenheit jeglicher Reißverschlüsse, was sie ebenfalls äußerst unbequem macht, so Michelle.
Am Ende ihres Panels lässt die freundlich lächelnde Schauspielerin, die nicht zu letzt wohl wegen ihrer Ballettausbildung grazil und ein bisschen zerbrechlich wirkt, uns einen kleinen Einblick in ihr Leben nehmen. "Meine Freunde fangen immer an zu kichern, wenn sie mich in meinen Rollen sehen, ich bin eher schüchtern, sensibel und nahe am Wasser gebaut. Ich bin Vegetarierin und Pazifistin und eine große Aktivistin – ich weiß nicht wie Caine das anpacken würde," grübelte Michelle. Allerdings versucht sie immer Berufliches von Privatem zu trennen. "Ich versuche mein Leben so privat und ruhig zu halten wie es geht. Ich mache lange Spaziergänge mit meinen Hunden, das hält mich mit beiden Beinen auf dem Boden. Ansonsten ist mein Leben eher langweilig und ziemlich normal."
Mit beiden Beinen auf dem Boden und doch mit einer alles überstrahlenden Präsenz auf der Bühne – das ist die treffende Beschreibung für Michelle Forbes ersten Besuch auf einer deutschen Convention – bleibt zu hoffen, dass wir sie recht bald wieder erleben dürfen.
Bildergalerien zu diesem Thema:
Susanne Philipp
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